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Der Herr Karl

Helmut Qualtinger und Carl Merz

Regie: Herbert Föttinger
Musik: Joachim Steffenhagen
Der Herr Karl: Martin Zauner

Spieldauer: ca. 1 Stunde 15 Minuten, keine Pause

Helmut Qualtinger spielte 1962 den Herrn Karl in den Kammerspielen, eine Figur, die er gemeinsam mit Carl Merz entworfen hatte und die aus dem österreichischen Kabarett nicht mehr wegzudenken ist.

Der Herr Karl enthüllt dem Publikum die Geschichte seines Lebens und den Kosmos seiner Anschauungen. Fünfzig Jahre österreichische Geschichte passieren Revue im Spießerjargon eines kleinbürgerlichen Opportunisten, für den sich jedes Geschehen und jede Katastrophe auf den privaten Sensationswert reduziert. Ob der „Anschluss“ an das Deutsche Reich, ob die Kriegs- und Nachkriegsjahre - der Herr Karl kann sich immer mit den Verhältnissen arrangieren und seine selbstgerecht-bornierte Mentalität kultivieren, die ihn in ihrer Mischung von Ressentiments, Vorteilssucht und Verantwortungsscheu zum Durchschnittsbürger schlechthin stempelt.

"G’freit hab i mi scho … an den Tag, wo ma 'n bekommen ham … den Staatsvertrag … Da san ma zum Belvedere zogn … san dag’standen … unübersehbar … lauter Österreicher … wie im Jahr achtadreißg … eine große Familie … a bissel a klanere … weil 's Belvedere is ja klaner als der Heldenplatz. Und die Menschen waren auch reifer geworden … Und dann is er herausgetreten … der … der … Bundes-, der Poldl und hat die zwa andern Herrschaften bei der Hand genommen und mutig bekannt: "Österreich ist frei!" Und wie i des g’hört hab, da hab i g’wusst: Auch das hab ich jetzt geschafft. Es ist uns gelungen - der Wiederaufbau … Ich mein’, nicht dass ich blind wär’ gegen die Fehler der Regierung … i war ja immer kritisch. Ich hab immer alles durchschaut … auch a Regierungsmitglied, wann i mir’s so anschau … der is aa net anders wie i. Und i kenn mi. So san de alle.
Aber bitte – es geht mi nix an. Ich mache meine Arbeit, ich kümmere mich nicht um Politik, ich schaue nur ironisch zu und behalte es für mich."

"Denn Der Herr Karl ist ja nicht bloß das Skript für ein mittlerweile klassisches Fernsehspiel, sondern ein Theaterstück, das auch von anderen und anderswo aufgeführt werden kann, soll und muss. Und auch lesen kann man es - mit Vergnügen und Grauen, mit Lachen und kalter Angst, denn selbst noch auf der gedruckten Seite ersteht Karls Figur in der ganzen Fülle ihrer schrecklichen Leiblichkeit, ihrer gemütlichen Dämonie, ihrer selbstzufriedenen Brutalität, und man reibt sich die Augen und will nicht glauben, dass dies immer noch, Tag für Tag, Jahr um Jahr, Wahl um Wahl, wirklich wird und sich ereignet."
Daniel Kehlmann

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