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Ungarische Melodie

Franz Schuberts Reisen in das Sommerschloss des Grafen Esterházy

Noch nie war Franz Schubert so weit gereist wie im Sommer 1818, als er mit der Postkutsche nach Zseliz an der Gran fuhr, um im Schloss des musikbegeisterten Grafen Johann-Karl Esterházy (aus der Altsohler Linie der Familie) dessen Töchter im Klavierspiel zu unterrichten. Bislang vergeblich hatte er in Wien auf öffentliche Anerkennung als Komponist gehofft, um nicht mehr als Hilfslehrer bei seinem Vater arbeiten zu müssen. Gescheitert waren auch seine Bemühungen, eine lukrative Anstellung als Musiker zu finden, die ihm ermöglicht hätte, seine Jugendliebe Therese zu heiraten. Das Engagement in Zselíz empfand er deshalb wie eine Befreiung – auch wenn sie nur kurz währen sollte. Viele Jahre nach Schuberts Tod denkt Therese an jene Zeit zurück – ausgelöst durch die Nachricht, dass die Comtesse Caroline Esterhazy, in die sich Schubert bei seinem zweiten Aufenthalt in Zselíz verliebt haben soll, 1844 in Pressburg einen pensionierten Major geheiratet hat, die Ehe aber schon wenig später annulliert wurde. Auch Therese hat längst geheiratet, freilich nicht aus Liebe, sondern nur um versorgt zu sein. Glücklich ist sie nicht geworden – so wenig wie Caroline und ihr einstiger Geliebter Franz Schubert. Der Pianist Sebastian Knauer macht das Lieben, Sehnen und Wähnen junger Leute zur Zeit klarer Standesgrenzen deutlich und liefern mit dieser Seelenbespiegelung in Wort und Ton zugleich das Sittenbild einer vergangenen Epoche.

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