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Urfaust

von Johann Wolfgang von Goethe
Lübbe/Barth

Dankenswerterweise entdeckte im Jahr 1887 der Literaturhistoriker Erich Schmidt im Nachlass des Weimaraner Hoffräuleins Luise von Göchhausen die Abschrift eines Faust-Fragments, das Goethe im Winter 1775/76 am Hofe des jugendlichen Herzogs Karl August in Weimar vorgelesen hatte. Goethe schrieb diese offene Abfolge von Szenen, die heute unter der Bezeichnung Urfaust bekannt ist, in seiner Sturm- und Drangphase mit 23 Jahren. Seine erste Bearbeitung ist ein Faust ohne Prolog im Himmel, ohne Osterspaziergang, Hexenküche und Walpurgisnacht. Es ist ein ungebändigtes Kaleidoskop in Vers- und Prosaform, das sich noch wenig um „Philosophei, Medizin und Juristerei" kümmert.

Der Urfaust konzentriert sich auf die Liebesgeschichte der Protagonisten, auf Faust und Margarete, und rückt die Gretchentragödie in den Mittelpunkt. Faust – der Einsame, der keinen Zugang zum Leben bekommt. Margarete – das Mädchen, das durch die Beziehung zu Faust ins Unglück stürzt. Und da ist auch Mephisto – der Teufel, der die Verbindung zwischen Faust und Margarete vorantreibt. Auf den Kern der Handlung und ihre Hauptfiguren fokussiert, ist der Urfaust ein Höllentrip in die Seelen zweier verzweifelter Existenzen.

Sechs Jahrzehnte beschäftigte sich Goethe mit diesem Stoff, in den er nicht nur schriftstellerisch lebenslang involviert war: 1772, eben als sich Goethe als Advokat in Frankfurt niedergelassen hatte, erregte dort die Hinrichtung eines Mädchens, das sein Kind getötet hatte, Aufsehen und im ganzen Land diskutierte man die Todesstrafe. Weniger bekannt ist, dass 1783 der inzwischen geadelte Herr von Goethe als juristischer Berater mit seiner Unterschrift maßgeblich an der Hinrichtung der Magd Anna Katharina Höhn mitwirkte, die ihren Sohn kurz nach der Geburt getötet hatte – eine Entscheidung, die er sogar gegen die Empfehlung des Herzogs traf, vielleicht, um sich bei den wesentlich erfahreneren Ministerkollegen als qualifizierte Sachautorität zu zeigen. So gesehen erscheint die endgültige Fassung des Faust I von 1808 als Wiedergutmachung.

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